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Rundbrief von Monika Mench aus Frankreich - Juni 2021


Verschlossene oder offene Türen
Liebe Freunde,
um mit Migranten in Kontakt zu treten, hatte ich mich vergangenen September in einer sozialen Einrichtung zu einem Sprachkurs angemeldet. Innerhalb kurzer Zeit konnte ich wertvolle Beziehungen zu 6 Frauen aus Marokko und Algerien aufbauen. Ende Oktober wurde die Schule, ohne dass wir darauf vorbereitet waren, wegen des Lockdowns geschlossen, und ich konnte den Frauen nicht mehr nachgehen.
Regelmäßig betete ich für sie und bat Gott, dass er irgendwelche Türen öffnet und Begegnungen möglich macht. Angesichts der Coronazahlen hatte ich die Hoffnung schon fast aufgegeben, dass sich vor den Sommerferien noch etwas tun könnte. Doch vor wenigen Tagen die große Überraschung: ab Juni laufen die Kurse weiter. Bitte betet mit, dass ich die Kontakte auffrischen und vertiefen kann.
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Vergeltung oder Vergebung

 „Das werde ich ihm nie verzeihen!“ Ganz aufgebracht schildert mir meine Nachbarin, die frischgebackene Juristin, dass ihr Onkel und seine Familie nicht zu dem Fest anlässlich ihres bestandenen Examens erschienen sind. In der türkischen Kultur ist es wichtig, solche bedeutsamen Anlässe mit den Verwandten zu feiern. Doch die Großfamilie lebt verstreut in Europa: in der Türkei, in Deutschland und Belgien. Außer ihren Eltern und den vier Geschwistern wohnen nur die Großmutter und der Onkel hier in der Stadt. Edna ist sichtlich verletzt – der Onkel gönnt ihr den Erfolg nicht, er ist neidisch und will sich nicht mit ihr freuen. Edna ist die erste in ihrer Großfamilie, die eine akademische Laufbahn eingeschlagen hat. Ihre Mutter kam mit 17 Jahren nach Frankreich, ohne jemals eine Schule besucht zu haben, um ihren Cousin zu heiraten. Dieser zog vor 35 Jahren als einfacher Gastarbeiter nach Frankreich, ist aber aufgrund gesundheitlicher Probleme seit einigen Jahren nicht mehr arbeitsfähig.

„Niemals werde ich verzeihen! Mein Leben lang kann ich das nicht vergessen! Ich werde es ihnen heimzahlen.“ Edna lässt ihrer Wut und Bitterkeit gegenüber ihren Verwandten freien Lauf. 

Mir fällt eine Geschichte ein, die Jesus zum Thema Vergebung erzählt: Ein Verwalter hatte ihm anvertraute Gelder unterschlagen und veruntreut. Der Schaden ist immens. Die Sache fliegt auf und er muss sich rechtfertigen. Der König will ihn in die Sklaverei verkaufen. Er würde auf die unterste Stufe der Gesellschaft fallen und müsste für den Rest seines Lebens hart arbeiten. Er bittet inständig um Erbarmen und tatsächlich, der König ist ihm gnädig. Seine ganze Schuld wird ihm erlassen.

Der freigesprochene Verwalter trifft einen anderen Diener, der ihm eine kleine Summe schuldet. Hartnäckig fordert er die Rückzahlung dieser Schuld, und selbst als der Diener ihn mit den gleichen Worten anfleht, wie er selbst es gerade eben vor dem König getan hat, bleibt er harzherzig und lässt den Diener ins Gefängnis werfen. Obwohl ihm selbst so viel erlassen wurde, ist er nicht bereit, an dem anderen ebenso barmherzig zu handeln.

Überreich von Gott beschenkt. Er vergibt uns, wenn wir darum bitten und bereit sind, anderen zu vergeben, die an uns schuldig geworden sind. Sicher, das ist nicht leicht. Viele Verletzungen, die andere uns zugefügt haben, gehen tief. Unrecht und Schuld belasten die Beziehungen. Vergebung kann die Wunden heilen. Auch wenn das Unrecht dadurch nicht ungeschehen wird und manche Narbe zurückbleibt. Wir selbst profitieren von der Vergebung, die wir gewähren. Wir hören auf, an den Mauern unseres eigenen Kerkers zu bauen und finden zur Freiheit zurück.

Interessiert lauscht Edna der Geschichte. Wird sie es eines Tages wagen, ihrem Onkel zu vergeben, auch wenn es schwerfällt, den ersten Schritt zu tun?

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Baguette oder Brezeln

Die DMG hatte mich 2020 zunächst für ein Jahr von meinen Aufgaben in der Heimatzentrale und im Vorstand freigestellt. Die Frage, ob ich langfristig in Frankreich (Heimat der Baguettes) arbeite oder von Deutschland (Land der Brezeln) aus Mission unterstütze, begleitete mich die ganze Zeit über. In diesem von Corona geprägten Jahr konnte ich einen wertvollen Einblick in die Arbeit in Frankreich gewinnen, aber auch nur begrenzt Möglichkeiten wahrnehmen. Das erleichterte die Entscheidung nicht unbedingt.  Gemeinsam mit der DMG-Leitung wogen wir in den letzten Monaten verschiedene Möglichkeiten ab und beteten um Gottes Führung. Wir kamen überein, dass ich zum 1. September das Leitungsteam auf dem Buchenauerhof wieder verstärken werde in den Bereichen Personal und Weiterentwicklung unserer Fokus-Einsatzgebiete. Ich freue mich auf die vielfältigen Aufgaben, die Zusammenarbeit mit sehr engagierten Kollegen und vielen internationalen Partnern.

Ich dankbar für die Erfahrungen, die ich seit April 2020 sammeln konnte. Schöne, aber auch schwierige Erlebnisse der vergangenen Monate helfen mir, Missionare zu verstehen und nachzuempfinden, was es heißt, die Zelte abzubrechen und in einem anderen Umfeld neu anzufangen oder sich mit kulturellen Konflikten auseinanderzusetzen. Ich habe mich selbst und mein Umgang mit Herausforderungen reflektiert. Was ich gelernt habe, möchte ich nun gerne an andere weitergeben.
Wertvoll war auch der Einblick in die Strukturen und Arbeitsweise meiner Partnerorganisation WorldTeam. Ich stand im regen Austausch mit Verantwortlichen aus dem Personalbereich. Künftig wollen wir unsere Partnerschaft in der Entsendung und Begleitung von Missionaren intensivieren. Rückblickend kann ich sagen, dass sich dieses Jahr mehr als gelohnt hat!
Ab September werde ich das französische Baguette also wieder gegen die deutsche Brezel eintauschen.
Wer mehr zu den Hintergründen erfahren möchte, darf sich sehr gerne bei mir melden!

Allen, die sich in irgendeiner Form daran beteiligt haben, dass ich diese gewinnbringenden Erfahrungen sammeln und Migranten hier in Frankreich segnen konnte, möchte ich von ganzem Herzen danken. Ihr habt ganz wesentlich Anteil an Gottes Wirken. Auch meine Arbeit in der Heimatzentrale der DMG wird durch Spenden finanziert. Deshalb freue ich mich über jeden, der durch seine Gaben und Gebete weiterhin dazu beiträgt, dass Mitarbeiter und Missionare in ihrem Dienst begleitet, gefördert und befähigt werden und dadurch aufblühen.

In herzlicher Verbundenheit,
Eure


DMG interpersonal e.V.
Volksbank Kraichgau
IBAN: DE02 6729 2200 0000 2692 04
BIC: GENODE61WIE
Stichwort: P10932 Mench

Bei Erstüberweisung bitte vollständigen Namen und Adresse angeben, damit die DMG eine Zuwendungsbescheinigung ausstellen kann.


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DMG interpersonal e.V.
Monika Mench
Buchenauerhof 2
74889 Sinsheim
Deutschland

07265959148
mmench@dmgint.de
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